Mein Leben als Zivildienstleistender in Rivas/ Nicaragua
Leicht verspätet, aber dennoch mit vielen Informationen, melde ich mich mal wieder mit einem kleinen Bericht.
Arbeit und Tätigkeit
Im November war es dann irgendwann so weit.
Es ging endgültig los mit dem Gartenprojekt in Nordtola, genauer den Gemeinden El Huigeral, Barrio Nuevo und San Ignacio.
Also habe ich mich eines Tages auf gemacht um mit Don Raúl (von dem ich bereits erzählt habe) alle benötigten Materialien zu kaufen und diese dann ein paar Tage später zu den Familien zu bringen.
Don Raúl hat natürlich mal wieder mit seiner einmaligen Verhandlungskunst die niedrigsten Preise rausgehauen, sodass wir uns am nächsten Tag gut gelaunt auf den Weg zu Juana (die in Nordtola unsere Projektmitarbeiterin ist) gemacht um 15 Gießkannen, 15 Hacken, 50 lbs. Krampen und ne Menge Stacheldraht bei ihr auf dem Grundstück abzuladen.
Am gleichen Tag, an dem wir die Materialien gekauft haben, haben wir für den Transport ins 50km nördlich gelegene Barrio Nuevo einen Preis von umgerechnet 15 € ausgemacht. Am nächsten Morgen um 6.30 Uhr, hat sich der Camion- Fahrer kurzerhand und auf eigene Faust überlegt, dass er lieber 30€ haben will. Und so habe ich mir ein paar Minuten später ebenfalls kurzerhand und auf eigene Faust eine Camioneta mit Fahrer für 17 € inklusive Benzin gemietet.
So war dieses Problem schnell gelöst und es ging so wie ausgemacht 7 Uhr + 2 Stunden los [Dies ist die sog. hora nica („Nicaraguanische Zeit“), bei der man immer, je nach dem um was für eine Verabredung es geht, ½ bis 3 Stunden auf den ausgemachten Termin aufrechnet.
Somit wissen dann beide Parteien Bescheid und richten sich darauf ein].
Nach 2 Stunden Fahrt über Stock und Stein (kurz nach der Regenzeit waren die unbefestigten Straßen noch unbefestigter und demnach mit Löchern übersäht) sind wir dann angekommen, haben abgeladen, Don Raúl, sein Enkel, ein Kumpel von ihm und der Fahrer haben sich wieder auf den Heimweg gemacht, ich bin geblieben, mit dem Ziel zu schauen, wie die Familien die Zaunrollen nutzen und vor allem um zu kontrollieren, ob die Pfosten für diesen bereits, wie ausgemacht, an ihrem Platz stehen.
Leider wurde ich von vielen enttäuscht. So waren die Pfosten weder eingegraben noch vorhanden bei anderen, bei anderen waren entgegen jeder Ausmachung die zukünftigen Gärten nicht bereinigt, heißt also vom Unkraut befreit.
Nachdem ich einigen beim Zaunspannen geholfen habe (viele der Projektteilnehmer sind Frauen; entweder sind ihre Männer weg oder arbeiten den ganzen Tag auf dem Feld oder in Costa Rica), musste ich erkennen, dass es im Prinzip kein Sinn hatte weiter zu arbeiten, weil die Voraussetzungen für ein Gärtchen noch nicht geschaffen worden waren.
Um ein wenig Druck auf die Menschen auszuüben, habe ich Juana gesagt, sie solle doch bitte die Familien besuchen und ihnen sagen, dass wenn sie nicht innerhalb von 4 Tagen die passenden Vorraussetzungen geschaffen hätten, aus dem Projekt ausgeschlossen würden.
Ebenfalls habe ich erklären lassen, dass ich erst die Pflanzensamen, die Gießkannen und Hacken verteilen würde, wenn alles fertig sei.
So bin ich dann etwas angekratzt nach Hause gefahren und habe die nächsten Wochen auf den erwarteten Anruf aus Barrio Nuevo gewartet und darüber nachgedacht, was an einer Zeitinvestition von 3 Stunden an einem Sonntag in den Bau des Gartenzauns so viel abverlangen würde.
Irgendwann, zwischen Weihnachten und Sylvester kam dann der Anruf, dass alles fertig sei. Einziges Problem war, dass ich in dieser Zeit im Urlaub war und mir niemand aus meiner Familie hier in Rivas gesagt hat, dass jemand für mich angerufen hätte.
So vergingen dann einige Wochen mehr, bis mir eröffnet wurde, dass etwa 6 Mal für mich angerufen wurde mit der Nachricht, alles sei fertig und die Leute auf die Samen warten würden…
3 Wochen später.
[Zwischenzeitlich ist Gerhard, Mann von Damaris eingetroffen. Er ist nicht nur Mann von Damaris, sondern auch wichtiger Mitarbeiter Para Nicaraguas]
…sodass wir beide eben 3 Wochen später im Versammlungshaus von CEPA (Partnerorganisation von uns vor Ort) in Barrio Nuevo standen, in einem Halbkreis um uns herum 12 Projektteilnehmer (die anderen haben wohl erst zu spät von der reunión erfahren).
Wir haben erneut die gesamte Leitidee des Projektes erklärt, mit den Leuten geredet und Fragen beantwortet um einen perfekten Ablauf in der Zukunft zu gewährleisten.
Anschließend haben wir jede einzelne Familie besucht um uns die fertigen Zäune und bearbeiteten Gärtchen anzugucken und Gießkanne und Hacke auszuteilen und zu fragen, welche Pflanzen gesät werden möchten. So enttäuscht ich auch das letzte Mal war, so begeistert war ich dieses.
Anscheinend hat sich der Druck gelohnt. Was wir sahen war alles extrem sauber gearbeitet, und, was mich noch viel mehr gefreut hat, war, dass viele Familien in der Zwischenzeit bereits vereinzelt Pflanzen angepflanzt haben.
Eine der Teilnehmerinnen ist besonders zu erwähnen. Sie hat nicht nur angepflanzt, sondern auch ein mit einfachsten Mitteln gebautes Tröpfchenbewässerungssystem in ihren Garten integriert:
Alte Limonaden Flaschen aus Plastik werden mit einem kleinen Schnitt an der Öffnung versehen und kopfüber an einem Stock, der in der Erde steckt angebracht. Mit Wasser gefüllt und leicht gelockertem Schraubverschluss, tropft das Wasser auf die Zöglinge und bewirkt dadurch eine stetige und weiche Bewässerung.
Ebenfalls haben wir Leute getroffen, die uns gefragt haben, ob sie am Projekt teilnehmen könnten. Sie hätten von den anderen über das Ganze erfahren und sich bereits einen eigenen Garten gebaut und sogar schon Gemüse ausgesät. Mit diesen positiven Eindrücken sind wir dann wieder zurück nach Rivas gefahren.Ebenso haben wir alle Projektfamilien in La Chocolata besucht um die Arbeit in den Gärten zu bewerten und, bei guter Arbeit Brunnen, Latrinen und mechanische Seilpumpen für existierende Brunnen zu verteilen. Außerdem haben wir erneut Pflanzensamen verteilt und einige Familien neu in das Projekt aufgenommen, andere aus der Liste aufgrund von nicht getaner Arbeit gestrichen.
So besteht unsere Aufgabe nun darin, Brunnen- und Latrinenbauer zu finden, die so schnell wie möglich mit der Arbeit anfangen, da das Wetter
gerade günstig ist, es also wenig regnet.
Leben
Weihnachten habe ich mit meinem Bruder und ein paar Freunden hier in meiner Familie verbracht. Es gab ein ordentliches Essen und natürlich wie immer ein ordentliches Trinken. Überall haben irgendwelche Weihnachts- und Schneemänner geblinkt, alles war mit Lichterketten zu gehangen und ansonsten wurde sowieso alles verziert, was sich so zum Verzieren anbot.
Da um die Feiertage herum Nicaragua nicht am Arbeiten ist (außer der Einzelhandel wegen den Geschenken bzw. Schnee- und Weihnachtsmann sowie Lichterketten- Händler), sind wir ein wenig herumgereist, waren Baden oder haben ein paar Vulkane hier in der Nähe besucht [wir waren auf dem Vulkan Mombacho, der eine der wenigen übrig gebliebenen tropischen Regenwälder Nicaraguas beherbergt. Vom Vulkan aus hat man einen Einmaligen Blick auf die Stadt Granada, sowie dem Lago de Nicaragua, dem Nicaraguasee und dem kleinen sog. Isletas (kleine Inselchen) vor Granada, die entstanden, als bei einem schweren Ausbruch Lava und Steinbrocken in den See geschleudert wurden. Ebenso waren wir auf dem Vulkan Masaya, ein anderer aktiver Vulkan des Landes. Man kann direkt in die Krater hineingucken, wird dann allerdings von dichten Schwefeldämpfen eingehüllt. Trotzdem ich die beiden Vulkane schon einmal vor 3 Jahren besucht habe, war ich dennoch erneut fasziniert.]
Sylvester habe ich dann mit meinem Bruder in Ocotal, im Norden des Landes verbracht. Dort haben wir eine Privatvorstellung des Kinderzirkuses bekommen, haben viel mit den Kiddies und den Leuten aus der Bibliothek gemacht [ Wer sich nicht nur für meines, sondern auch für das Leben der beiden reizenden Freiwilligen Felicitas und Lena, die in der Bibliothek arbeiten, sowie für die Arbeit der Bibliothek und natürlich des Kinderzirkuses Ocolmena interessiert, der sollte sich www.lena-und-feli.jimdo.com angucken!], ein Radio-Interview gegeben [Radio Segovia 97.3 yo!....www.radiosegovia.net] und ansonsten sowieso viel Spaß gehabt.
Letztes Wochenende war ich mit meinem Kumpel Camilo und ein paar anderen Leute 2 Tage am Strand. Dort haben wir in Hängematten oder in Zelten geschlafen, zu Essen gab es gegrilltes Tunfischfilet mit gegrillten Kochbananen, zu Trinken: welch Überraschung Rum.
Morgens um 5 Uhr wurden wir sehr zärtlich von brüllenden Brüllaffen geweckt.
Familie
Da gibt’s im Prinzip nicht viel zu sagen, außer dass Milagro, Mutter von Ana Marcela wieder zurück nach Chinandega (im Norden) gezogen ist, da sie dort eine Arbeit im Labor einer Garnelenzuchtfabrik gefunden hat und nun endlich als das Arbeiten kann, was sie studiert hat und nicht den ganzen Tag Klamotten verkaufen muss. Leider rennt jetzt kein kleines Kind mehr hier rum und lockert alles ein wenig auf, fragt mich zehntausend Mal was ich denn machen würde und erklärt, wenn sie sich versteckt, dass sie mit Onkel Felix und Gaby in den Park gegangen sei. Eberto, Vater der Kleinen ist übrigens hiergeblieben.
Das ganze ist wohl ein typisches Beispiel dafür, wie die Arbeitsmarktsituation in Nicaragua ist. Man ist froh, wenn man als das arbeiten kann, was man studiert hat.
Damaris wohnt nun auch nicht mehr in Managua, da sie aufgehört hat zu arbeiten und nun hier mit Gerhard einige Projekte durchziehen will. Unter anderem haben beide vor eine kleine Fleischerei zu eröffnen und einen kommunalen Markt zu etablieren [Momentan arbeiten wir als Hauptziel darauf hin, einen mercado comunal mit den gemüseanbauenden und viehzüchtenden Projektteilnehmern zu errichten. Dies wird jedoch wohl noch einige Jahre dauern.]
Zum Schluss möchte ich wieder einmal mit meiner Nicaragua-Statistik prahlen:
Portionen Gallo Pinto: 178
Becher mit Rumanteil (natürlich nur Flor de Caña): 85
Viele Grüße aus Rivas,
Euer Felix.
Felix Dietsch
Damaris Aguilar Sirias
Rivas, NICARAGUA
Contiguo al colegio Sto. Domingo;
Costado oeste
Telefon : 00505 – 5633545 (Haus Rivas)
Mobil : 00505 – 9054556 (mein Telefon)
Skype : muchachodados
Para Nicaragua Offenbach e.V.
Spendenkonto
Para Nicaragua e.V.
Konto Nr.: 84875
Sparkasse Offenbach, BLZ 505 500 20
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